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Ein Interview mit Guido Degiorgis

Seit 35 Jahren unterwegs mit der Pistenraupe

Italiens wohl erfahrenster Pistenraupenfahrer Guido Degiorgis geht seinem herausfordernden Beruf bis heute mit Leidenschaft nach – im Skigebiet Verena 2.000 in Asiago.

1. Herr Degiorgis, danke, dass Sie sich die Zeit für das Gespräch genommen haben. Seit wann fahren Sie Pistenraupen?

Seit über dreißig Jahren, begonnen habe ich mit dem T4, dann folgte der T4S und schließlich der 500.

2. Wie sind Sie dazu gekommen?

Als ehemaliger Skilehrer hatte ich schon immer eine Leidenschaft für Pisten, Schnee und eben auch den Umgang mit der Pistenraupe. Wenn ich eine Piste richtig gut präpariert habe und am nächsten Tag die Menschen beim Skifahren beobachte, dann ist alles perfekt für mich.

3. Welche Pistenfahrzeuge sind Sie gefahren? Welches Modell ist Ihr Favorit und warum?

Erst den T4, dann den T4S, 500, LEITWOLF, Everest und schließlich den BISON. Es gab große Veränderungen. Der 500er war eine wunderbare Pistenraupe, die neue Technologien mitbrachte und es ermöglichte, Aufgaben zu erledigen, die vorher mit anderen Fahrzeugen nicht möglich waren. Auch jetzt noch ist der 500er mein Favorit – wegen seiner Wendigkeit und weil es die Maschine ist, die die Technik der Pistenraupen verändert hat. Einen 500er zu fahren war wie ein Auto zu fahren – sehr sensibel, sehr geschmeidig, und man konnte sich auch mit wenig Gewicht auf ihn verlassen. Selbst im Tiefschnee konnte man steile Hänge hinunterfahren, ohne dass das Pistenfahrzeug wegrutschte.

4. Als Sie anfingen, Pistenraupen zu fahren, dachten Sie da, dass Sie diesen Beruf bis zu Ihrer Pensionierung ausüben würden?

Allerdings. Vor 35 Jahren habe ich angefangen, genau dies zu tun. Damals war ich Stationsleiter und fuhr abends immer mit der Pistenraupe.

5. Was gefällt Ihnen am meisten an der Arbeit?

Zunächst einmal die Natur. Nachts ist man allein und es ist herrlich, man kann über viele Dinge nachdenken. Und dann, nach einem Schneefall, wenn man nachts über die Piste fährt und die Dämmerung einsetzt, ist es wunderschön. Man kann traumhafte Aussichten genießen und ab und zu sogar einem Tier begegnen und Zeit damit verbringen, es zu beobachten. Und vor allem kann man eine gute Piste präparieren.

6. Was macht für Sie eine perfekte Piste aus?

Bei einer perfekten Piste muss alles gleichmäßig sein, es darf keine Stufen zwischen einer Spur und der nächsten geben. Auch die Arbeit mit der Fräse muss gut gemacht sein, so dass es keine Klumpen oder ähnliches gibt. Bei wenig Schnee sollte man auch versuchen, die Piste möglichst gleichmäßig zu präparieren.

7. Sie haben erzählt, dass Sie auch als Skilehrer tätig waren. Erinnern Sie sich zufällig auch an die Anfänge des Skisports?

Zu den Anfangszeiten des Skifahrens wurden die Pisten praktisch zu Fuß präpariert, doch nach einem Tag Skifahren waren sie voller Unebenheiten. Hier wurden die unebenen Stellen zunächst von Hand mit Spitzhacken ausgeglichen, dann wurden Walzen eingesetzt und so versucht, sie zu glätten. Später kamen die ersten Pistenfahrzeuge, die weder Schaufel noch Fräse hatten. Damit wurde über die Buckel gefahren und diese ein wenig geebnet, aber die Pisten waren immer nur bescheiden im Vergleich zu dem, wie die Pisten heute sein können.

8. Was ist die aufregendste Erfahrung, die Sie beim Fahren eines Pistenfahrzeugs gemacht haben?

Es ist mir wichtig, Rennstrecken gut vorzubereiten und zu sehen, dass alle Athleten und Trainer mit der von mir geleisteten Arbeit zufrieden sind.

9. Wie viele Stunden, glauben Sie, haben Sie schon in einem Pistenfahrzeug verbracht?

500 Stunden jeden Winter, 30 Jahre lang. In manchen Wintern macht man mehr und in manchen weniger, aber durchschnittlich sind es 500 bis 600 Stunden pro Jahr.

10. Da Sie die Entwicklung der Pistenfahrzeuge kennen, was war Ihrer Meinung nach die revolutionärste Entwicklung, die wirklich etwas für die Arbeit eines Pistenfahrzeugfahrers verändert hat?

Erstens hat sich mit der Einführung des 12-Wege-Schilds die Arbeitsweise stark verändert. Dann die verbesserte Fräse, die mehr Leistung hat. Und schließlich hat die ganze Maschine mehr PS und alles hat sich weiterentwickelt. Aber vor allem dank des 12-Wege-Schilds ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für die Arbeit.

11. Heute gibt es Technologien, die die Fahrer bei ihrer Arbeit unterstützen, wie zum Beispiel die Schneehöhenmessung. Was halten Sie davon?

Inzwischen weiß man sogar, wie viel Schnee man unter sich hat, und alles hat sich offensichtlich verbessert. Ein Fahrer, der bereits viele Jahre an einem Ort gearbeitet hat, kennt die Flächen. Ein Fahrer, der im ersten Winter neu in einem Skigebiet ankommt, hingegen nicht. Wenn er nun eine Maschine hat, die ihm sagt, wie viel Schnee sich unter der Maschine befindet, wird er immer diese bevorzugen. Ein langjähriger Fahrer profitiert natürlich auch davon, ist aber weniger davon abhängig, weil er weiß, wo der meiste Schnee liegt und wo der Wind am meisten abträgt. Es ist allerdings von Vorteil, dass jemand, der neu in einem Skigebiet ankommt, eine solche Maschine zur Verfügung hat.

12. Gibt es etwas, das Sie der neuen Generation von Pistenraupenfahrern mit auf den Weg geben möchten?

Die Arbeit muss mit Leidenschaft gemacht werden. Es geht nicht darum, Geld zu verdienen, sondern darum, es im Herzen zu spüren. Es geht um die Leidenschaft, in den Bergen zu sein, um die Leidenschaft, allein zu sein und um die Leidenschaft zum wunderschönen Pistenfahrzeug. Alles an der Arbeit dort ist wundervoll, auch dann, wenn man alleine ist.